Innosuisse vs. Venture Kick: Welches Förderprogramm passt zu Ihrem Startup? (2026)

10. Mai 20267 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Beide Programme sind nicht rückzahlbar und nehmen keine Unternehmensanteile; sie unterscheiden sich aber fundamental in Zweck, Förderhöhe und Voraussetzungen.
  • Innosuisse fördert mehrjährige F&E-Kooperationen zwischen Unternehmen und Schweizer Hochschulen: bis CHF 2 Mio.+ an Hochschulkosten, zuzüglich Innovationsscheck (CHF 15'000) und kostenlosem Coaching.
  • Venture Kick ist ein dreiphasiger Wettbewerb ausschliesslich für Startups aus Schweizer Hochschulen: bis CHF 150'000 Preisgeld, Bootcamps und direkter Investorenzugang.
  • Die Programme schliessen sich nicht aus: Viele Schweizer Deep-Tech-Startups kombinieren Innosuisse (F&E-Finanzierung an der Hochschule) mit Venture Kick (Unternehmensaufbaufinanzierung).
  • Innosuisse passt für Startups mit laufendem F&E-Bedarf und Hochschulpartner; Venture Kick passt für akademische Spin-offs, die Kapital, Coaching und Netzwerkzugang in der Frühphase suchen.

Innosuisse und Venture Kick werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber zwei fundamental verschiedene Instrumente. Innosuisse ist eine Förderagentur des Bundes und finanziert F&E-Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen und Schweizer Hochschulen. Venture Kick ist ein privater Wettbewerb für akademische Spin-offs mit Preisgeld, Bootcamps und Investorenzugang. Wer versteht, was jedes Programm wirklich tut, kann es gezielt einsetzen und gegebenenfalls beide kombinieren.

Kurze Antwort

Innosuisse für F&E-intensive Startups mit Hochschulpartner, die über mehrere Jahre forschen und entwickeln. Venture Kick für akademische Spin-offs, die in der Frühphase schnelles Kapital, Coaching und Zugang zum Schweizer Investorennetzwerk brauchen. Viele erfolgreiche Schweizer Startups nutzen beide Programme.

Auf einen Blick: Innosuisse vs. Venture Kick

KriteriumInnosuisseVenture Kick
TrägerschaftBundesbehörde (öffentlich-rechtlich)Private Stiftung
FörderhöheCHF 15'000 bis CHF 2 Mio.+Bis CHF 150'000 (3 Phasen)
FinanzierungsartProjektförderung (nicht rückzahlbar)Wettbewerbspreis (nicht rückzahlbar)
Anteile/RückzahlungNeinNein
HochschulpartnerFür Innovationsprojekte zwingendHerkunftsbedingung (kein laufender Partner nötig)
ZulassungsvoraussetzungSchweizer Sitz, F&E-AnteilHerkunft aus Schweizer Hochschule/Forschungsinstitut
Antragsdauer2 bis 3 Monate (Innovationsprojekt)Wochen (Phase 1 Vorentscheid)
NetzwerkwertMittel (Hochschulnetzwerk)Sehr hoch (Investoren-Community)
CoachingStart-up Coaching (kostenlos, 12–24 Monate)Bootcamps, Mentoring in jeder Phase
BewerbungsrhythmusLaufendMehrmals jährlich
ZielphaseFrüh bis mittel (F&E-Phase)Früh (Vorgründung bis Seed)

Innosuisse: F&E-Förderung mit Hochschulpartner

Innosuisse (Schweizerische Agentur für Innovationsförderung) ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes. Ihr Kernauftrag ist die Förderung wissens- und technologiebasierter Innovationen durch Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Drei Instrumente, drei Einsatzbereiche:

Das Innovationsprojekt ist das grösste und komplexeste Instrument. Ein Schweizer Unternehmen und eine akkreditierte Hochschule reichen gemeinsam ein Projekt ein. Innosuisse übernimmt bis zu 100% der zertifizierten Hochschulkosten; das Unternehmen trägt seine eigenen Kosten als Eigenleistung. Typische Projektgrössen: CHF 50'000 bis CHF 800'000 für mittlere Projekte, bis CHF 2 Mio. und mehr für grosse Vorhaben. Laufzeit: 12 bis 36 Monate.

Der Innovationsscheck ist der einfachste Einstieg: CHF 15'000 für eine erste Machbarkeitsstudie an einer Schweizer Hochschule. Kein dauerhaftes Kooperationsformat nötig, Bearbeitungszeit 4 bis 6 Wochen. Geeignet für KMU, die erstmals prüfen wollen, ob eine Hochschulkooperation sinnvoll ist.

Das Start-up Coaching begleitet Hightech-Startups kostenlos über 12 bis 24 Monate. Zertifizierte Coaches unterstützen bei Businessplan, Markterschliessung, Investorenansprache und Internationalisierung. Voraussetzung: Hightech- oder wissensbasiertes Geschäftsmodell.

Was Innosuisse auszeichnet:

  • Fördersummen deutlich über dem Venture-Kick-Niveau
  • Laufende Einreichung ohne feste Stichtage für Innovationsprojekte
  • IP-Verwertungsrechte verbleiben beim Unternehmen
  • Für alle Branchen mit F&E-Anteil offen (nicht nur akademische Spin-offs)

Grenzen von Innosuisse:

  • Ohne akkreditierten Schweizer Hochschulpartner kein Innovationsprojekt möglich
  • Vorlaufzeit 5 bis 9 Monate vom Projektstart an (Partnersuche, Antrag, Begutachtung, Vertrag)
  • Eigenleistungen von mindestens 50% der Gesamtprojektkosten erforderlich
  • Weniger direkte Investorenvernetzung als Venture Kick

Venture Kick: Wettbewerb für akademische Spin-offs

Venture Kick ist eine private Stiftungsinitiative, finanziert von Schweizer Unternehmern und Stiftungen. Sie ist nicht staatlich und verfolgt das Ziel, die Gründungsrate und Qualität akademischer Spin-offs in der Schweiz zu erhöhen.

Dreistufiger Aufbau:

Phase 1 (CHF 10'000 + Kicky-Bootcamp): Teams reichen eine strukturierte Bewerbung ein und pitchen vor einer Jury. Gewinner erhalten CHF 10'000 und nehmen am eintägigen Bootcamp teil, das auf Geschäftsmodell-Schärfung und Pitch-Vorbereitung fokussiert.

Phase 2 (CHF 20'000 + Startup Camp): Phase-1-Gewinner pitchen mit einer detaillierteren Präsentation inklusive Marktvalidierung und Kundengesprächen. Gewinner erhalten CHF 20'000 und nehmen am zweitägigen Startup Camp mit intensivem Einzelfeedback teil.

Venture Kicker (bis CHF 130'000 + Finale): Phase-2-Gewinner qualifizieren sich für den jährlichen Hauptwettbewerb. Das Finale ist gleichzeitig der grösste Schweizer Startup-Netzwerkanlass des Jahres, mit direktem Investorenkontakt für alle Finalteilnehmer.

Was Venture Kick auszeichnet:

  • Schneller Prozess: Phase-1-Entscheid innerhalb weniger Wochen
  • Bootcamp-Qualität: Mentoren sind erfahrene Gründer und Investoren, keine Akademiker
  • Investorenzugang: Der Kicker-Abend bringt die relevantesten Schweizer Startup-Investoren zusammen
  • Signalwirkung: Venture-Kick-Preis ist anerkanntes Qualitätssignal für Schweizer und internationale Investoren

Grenzen von Venture Kick:

  • Ausschliesslich für Startups aus Schweizer Hochschulen und Forschungsinstitutionen
  • Geringere Förderhöhe als Innosuisse-Innovationsprojekte
  • Sehr wettbewerbsintensiv: Annahmequoten in frühen Phasen tief
  • Kein laufendes F&E-Förderinstrument; Preisgeld ist einmalig

Wer passt zu welchem Programm?

Innosuisse ist die richtige Wahl, wenn:

  • Das Startup einen laufenden F&E-Bedarf hat, der einen Schweizer Hochschulpartner erfordert
  • Die Innovationsfrage wissenschaftlicher Natur ist (neue Algorithmen, neue Materialien, neue Verfahren)
  • Das Startup keine akademische Herkunft hat, aber eine starke Hochschulkooperation pflegt
  • Grosse Fördersummen über mehrere Jahre benötigt werden
  • Das Startup sich nicht im Frühphasen-Wettbewerb befinden will oder kann

Venture Kick ist die richtige Wahl, wenn:

  • Das Startup aus einer Schweizer Hochschule oder Forschungsinstitution hervorgeht
  • Das Team in der Frühphase ist und strukturiertes Coaching und schnelles Kapital braucht
  • Investorenzugang und Netzwerkaufbau in der Schweiz Priorität haben
  • Die Signalwirkung des Venture-Kick-Brands für spätere Finanzierungsrunden genutzt werden soll
  • Der Zeitplan keine 5 bis 9 Monate Vorlaufzeit erlaubt

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Kombinierbarkeit: Warum viele Startups beide nutzen

Innosuisse und Venture Kick sind komplementär, nicht konkurrierend. Ihre Ziele überschneiden sich nicht:

Innosuisse finanziert die F&E-Arbeit des Hochschulpartners. Das Unternehmen erbringt Eigenleistungen und behält die Verwertungsrechte. Das Preisgeld fliesse in Forschungsstunden, Laborkosten und Overhead der Hochschule.

Venture Kick finanziert den Unternehmensaufbau: das Gründerteam selbst, seine Marktvalidierung, erste Produktentwicklung. Die Mittel fliessen direkt ans Unternehmen.

Eine typische Kombination für ein Schweizer Deep-Tech-Startup sieht so aus:

ZeitraumInstrumentZweck
Vorgründung bis 6 MonateVenture Kick Phase 1 und 2Preisgeld, Coaching, Pitch-Training
6 bis 18 MonateVenture Kicker (Phase 3)Kapital, Investorenzugang, Netzwerk
12 bis 36 MonateInnosuisse InnovationsprojektF&E-Finanzierung mit Hochschulpartner
LaufendInnosuisse Start-up CoachingStrategisches Coaching, Markterschliessung

Es gibt keine Pflicht zur Reihenfolge. Manche Teams starten Innosuisse und Venture Kick parallel; entscheidend ist, dass die Mittel keine inhaltliche Doppelfinanzierung derselben Kosten erzeugen.

Keine Doppelfinanzierung derselben Kosten

Innosuisse und Venture Kick können kombiniert werden, aber dieselben Kosten dürfen nicht aus beiden Quellen finanziert werden. Venture Kick finanziert Unternehmenskosten; Innosuisse finanziert Hochschulkosten. Wer beide Instrumente gleichzeitig nutzt, sollte die Kosten klar dokumentieren und den Förderagenturen gegenüber transparent sein.

Der Antragsprozess im Vergleich

Innosuisse Innovationsprojekt:

  1. Forschungspartner suchen (4 bis 12 Wochen)
  2. Optionaler Vorab-Check bei Innosuisse (3 bis 4 Wochen)
  3. Vollantrag ausarbeiten mit Hochschulpartner (4 bis 8 Wochen)
  4. Begutachtung durch Innosuisse (8 bis 14 Wochen)
  5. Vertragsunterzeichnung und Projektstart (2 bis 4 Wochen)

Gesamtdauer bis Projektstart: ca. 5 bis 9 Monate.

Venture Kick Phase 1:

  1. Selbstcheck (Zugangsvoraussetzungen prüfen)
  2. Bewerbung einreichen (Online-Formular, Executive Summary, Pitch-Deck)
  3. Jury-Vorauswahl (2 bis 3 Wochen)
  4. Live-Pitch (1 Tag, Entscheid am selben Tag)
  5. Kicky-Bootcamp und Weiterentwicklung für Phase 2

Entscheid Phase 1: innerhalb von Wochen.

Häufige Fehler bei der Programmwahl

Innosuisse zu früh anstreben: Ein Startup ohne Hochschulkontakt und ohne klare F&E-Frage ist bei Innosuisse noch nicht bereit. Der Antrag scheitert an fehlender wissenschaftlicher Substanz. Zuerst den Hochschulpartner aufbauen, dann den Antrag stellen.

Venture Kick zu spät angehen: Der Mehrwert von Venture Kick sinkt, wenn das Startup bereits Markttraktion hat und die Bootcamp-Inhalte bekannt sind. Frühzeitig bewerben, auch wenn das Team noch klein und die Idee noch nicht vollständig ausgereift ist.

Einzelnen Ablehnungsfall aufgeben: Venture Kick kann mehrmals eingereicht werden; die meisten erfolgreichen Teams haben sich zwei- bis dreimal beworben. Innosuisse-Anträge können nach Gutachter-Feedback überarbeitet und neu eingereicht werden. Ablehnung ist kein Endurteil.

Innosuisse

Bundesförderung für F&E-Kooperationen zwischen Schweizer Unternehmen und Hochschulen: Innovationsscheck (CHF 15'000), Innovationsprojekte (bis CHF 2 Mio.+) und kostenloses Start-up Coaching

Nicht rückzahlbar, keine Anteile

Innosuisse-Portal öffnen

Venture Kick

Dreiphasiger Wettbewerb für akademische Schweizer Spin-offs: bis CHF 150'000 Preisgeld, Bootcamp-Coaching und direkter Investorenzugang

Kein Anteil, keine Rückzahlung

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Haeufige Fragen

Kann ich gleichzeitig Innosuisse-Förderung und Venture Kick beantragen?
Ja, beide Programme lassen sich kombinieren. Innosuisse finanziert die F&E-Arbeit des Hochschulpartners; Venture Kick finanziert den Unternehmensaufbau. Die Mittel fliessen in verschiedene Kostenarten und es entsteht keine Doppelfinanzierung, sofern dieselben Kosten nicht aus beiden Quellen gedeckt werden. Viele Schweizer Deep-Tech-Startups nutzen beide Programme parallel.
Brauche ich für Innosuisse zwingend einen Hochschulpartner?
Für Innovationsprojekte ist ein akkreditierter Schweizer Forschungspartner zwingend. Für den Innovationsscheck (CHF 15'000) genügt ein einzelner Leistungsauftrag an eine Hochschule ohne dauerhaftes Kooperationsformat. Das kostenlose Innosuisse Start-up Coaching setzt keinen laufenden Forschungspartner voraus, richtet sich aber an Hightech-Startups.
Was ist der Hauptvorteil von Venture Kick gegenüber Innosuisse?
Venture Kick bietet schnelleres Geld in der Frühphase (Entscheid innerhalb von Wochen statt Monaten), intensives Bootcamp-Coaching durch erfahrene Unternehmer und direkten Zugang zum Schweizer Investoren-Ökosystem. Die Signalwirkung eines Venture-Kick-Preises bei Schweizer Investoren ist erheblich. Innosuisse bietet grössere Fördersummen, aber mehr Vorlaufzeit und Komplexität.
Gibt es eine Mindestgrösse oder ein Mindestalter für Innosuisse?
Nein. Auch frisch gegründete GmbH und Einzelunternehmen können sich bewerben. Entscheidend ist, dass ein akkreditierter Schweizer Hochschulpartner vorhanden ist und das Unternehmen die Eigenleistungen (mindestens 50% der Gesamtprojektkosten als eigene Personal-, Material- und Infrastrukturkosten) erbringen kann.
Wann sollte ich mit Venture Kick anfangen?
Venture Kick ist am wirkungsvollsten in der Frühphase: idealer Zeitpunkt ist kurz nach der Gründungsidee oder direkt nach der Ausgründung aus der Hochschule. Je früher das Team Bootcamp-Coaching und Netzwerkzugang erhält, desto grösser der Mehrwert. Startups, die bereits fortgeschrittene Markttraktion haben, profitieren noch von der Kicker-Phase, weniger aber vom Frühphasen-Coaching.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.