Innosuisse vs. EU Horizon EIC: Nationale F&E-Förderung oder europäisches Flaggschiff? (2026)

10. Mai 20268 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Innosuisse fördert F&E-Kooperationen zwischen Schweizer Unternehmen und Hochschulen: bis CHF 2 Mio.+ an Hochschulkosten, laufende Einreichung, Bearbeitungszeit 2 bis 3 Monate.
  • Der EIC Accelerator (EU Horizon) bietet bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss plus optional bis EUR 15 Mio. Eigenkapital für marktreife Startups (TRL 5 bis 8) mit internationaler Skalierungsperspektive.
  • Innosuisse setzt einen akkreditierten Schweizer Hochschulpartner voraus; der EIC Accelerator setzt keine akademische Herkunft, aber Marktreife (TRL 5+) voraus.
  • Die Antragskomplexität ist bei Innosuisse deutlich tiefer: Deutsch, Französisch oder Englisch möglich; Bearbeitungszeit 2 bis 3 Monate. Beim EIC: Englisch zwingend, 6 bis 12 Monate, Erfolgsquote unter 5%.
  • Für die meisten Schweizer Startups ist Innosuisse der richtige erste Schritt. EIC wird relevant, wenn das Produkt marktreif ist, die Märkte international sind und Innosuisse-Erfahrung bereits vorhanden ist.

Innosuisse und EU Horizon EIC Accelerator gehören beide in die Kategorie der nicht dilutiven Startup-Förderung. Doch die Ähnlichkeit endet dort. Innosuisse ist eine Bundesbehörde, die F&E-Kooperationen zwischen Schweizer Unternehmen und Hochschulen finanziert; der EIC Accelerator ist das Spitzenprogramm der EU für marktreife Startups mit internationaler Skalierungsperspektive. Wer versteht, was jedes Programm wirklich finanziert und welche Voraussetzungen es stellt, kann die richtige Reihenfolge planen.

Kurze Antwort

Innosuisse ist der richtige Einstieg für F&E-intensive Startups mit Schweizer Hochschulpartner; der EIC Accelerator ist das nächste Level, sobald das Produkt marktreif ist (TRL 5 bis 8) und eine europäische oder globale Skalierungsperspektive besteht. Für die meisten Schweizer Startups kommt Innosuisse zuerst.

Auf einen Blick: Innosuisse vs. EIC Accelerator

KriteriumInnosuisseEIC Accelerator (EU Horizon)
TrägerschaftSchweizerischer BundesbehördeEuropäische Union (EIC-Fonds)
FörderhöheCHF 15'000 bis CHF 2 Mio.+Bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss + optional EUR 15 Mio. Eigenkapital
FinanzierungsartProjektförderung (nicht rückzahlbar)Zuschuss (nicht rückzahlbar) + optionales Eigenkapital
AnteileNeinNein (Zuschuss); Minderheitsanteil (optionaler Eigenkapitalteil)
HochschulpartnerFür Innovationsprojekte zwingendNicht erforderlich
TRL-AnforderungKeine formale TRL-VorgabeTRL 5 bis 8 vorausgesetzt
MarktreifeF&E-Phase (früh bis mittel)Marktreife mit Skalierungsperspektive
AntragskomplexitätMittelSehr hoch
BewerbungsspracheDeutsch, Französisch, Italienisch oder EnglischAusschliesslich Englisch
Bearbeitungszeit2 bis 3 Monate6 bis 12 Monate
ErfolgsquoteCa. 35 bis 40%Unter 5%
Geographischer FokusSchweizEU und assoziierte Länder
EinreichungLaufendMehrere Stichtage pro Jahr

Innosuisse: Der F&E-Förderer mit Hochschulverankerung

Innosuisse (Schweizerische Agentur für Innovationsförderung) ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes. Sie vergibt ausschliesslich nicht rückzahlbare Fördergelder; kein Startup gibt Anteile ab.

Die drei Instrumente:

Innovationsprojekte (CHF 50'000 bis CHF 2 Mio.+): Das Kernprogramm verbindet ein Schweizer Unternehmen mit einer akkreditierten Hochschule (ETH Zürich, EPFL, alle kantonalen Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsinstitute wie Empa, PSI, Eawag). Innosuisse übernimmt bis zu 100% der zertifizierten Hochschulkosten; das Unternehmen trägt seine eigenen Projektkosten als Eigenleistung und behält die Verwertungsrechte.

Innovationsscheck (CHF 15'000): Einmaliger Zuschuss für eine erste Machbarkeitsstudie an einer Schweizer Hochschule. Kein dauerhaftes Kooperationsformat erforderlich, Bearbeitungszeit 4 bis 6 Wochen. Der einfachste Einstieg in die Innosuisse-Welt.

Start-up Coaching (kostenlos): Strukturiertes Begleitprogramm über 12 bis 24 Monate mit zertifizierten Coaches für Hightech-Startups. Themen: Business Development, Markterschliessung, Investorenansprache.

Was Innosuisse auszeichnet:

  • Laufende Einreichung für Innovationsprojekte (kein fixer Stichtag)
  • Erfolgsquote von ca. 35 bis 40% (deutlich über dem EIC-Niveau)
  • Bearbeitungszeit 2 bis 3 Monate statt 6 bis 12
  • Antrag auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch möglich
  • IP-Verwertungsrechte verbleiben beim Unternehmen

Was Innosuisse nicht leistet:

  • Ohne akkreditierten Schweizer Hochschulpartner keine Innovationsprojekte
  • Keine Eigenkapitalkomponente (nur Zuschüsse)
  • Fördersummen erreichen nicht das Niveau des EIC Accelerators

EIC Accelerator: Das europäische Flaggschiff für Wachstumsphasen

Der Europäische Innovationsrat (EIC) ist das Spitzeninstrument der EU für Deep-Tech-Startups. Der EIC Accelerator richtet sich an einzelne Unternehmen (keine Konsortien) mit technologisch differenzierten Produkten, die auf europäische oder globale Märkte zielen.

Förderhöhe und Struktur:

  • Zuschuss: bis EUR 2,5 Mio. (nicht rückzahlbar; für F&E, Prototyping, Markteintritt)
  • Eigenkapitalinvestition: optional bis EUR 15 Mio. durch den EIC-Fonds (EIC wird Minderheitsaktionär)
  • Blended Finance: Kombination aus Zuschuss und Eigenkapital möglich

Der dreistufige Antragsprozess:

Step 1 (Kurzbewerbung): Online-Formular mit Pitch-Deck (10 Folien), Video-Pitch (3 Minuten) und strukturierten Fragen zu Innovation, Markt und Team. Entscheid in 4 bis 6 Wochen.

Step 2 (Vollantrag): Umfangreiche schriftliche Bewerbung (ca. 30 Seiten auf Englisch) mit Technologiebeschreibung, Marktanalyse und Businessplan. Externe Gutachter. Entscheid in 3 bis 4 Monaten.

Step 3 (Interview): Persönliches Pitch-Interview in Brüssel vor einer interdisziplinären Jury (ca. 30 Minuten Pitch, 30 Minuten Q&A). Dies ist die härteste Selektionsstufe.

Was den EIC Accelerator auszeichnet:

  • Höchste verfügbare nicht dilutive Fördersummen in Europa
  • Eigenkapitaloption für Startups, die VC-Kapital noch nicht oder ergänzend suchen
  • EIC-Community mit Zugang zu europäischen Investoren und Industriepartnern
  • Keine Hochschulbindung als Voraussetzung

Was der EIC Accelerator kostet:

  • Erfolgsquote unter 5%: erheblicher Zeitaufwand ohne Erfolgsgarantie
  • 6 bis 12 Monate vom ersten Antrag bis zum Entscheid
  • Antrag auf Englisch, ca. 30 Seiten; professionelle Vorbereitung faktisch notwendig
  • Eigenkapitalteil ist dilutiv

Assoziierungsstatus der Schweiz

Die Beteiligung der Schweiz an Horizon Europe ist an die bilateralen Abkommen mit der EU geknüpft und kann sich ändern. Im Rahmen der Bilateralen III wurden neue Grundlagen geschaffen. Vor der Antragsvorbereitung sollte der aktuelle Status des gewünschten EIC-Programms direkt bei Euresearch (euresearch.ch) geprüft werden. Dieser Schritt kostet wenig Zeit und verhindert Fehlinvestitionen in eine Antragsvorbereitung, die aufgrund von Teilnahmebeschränkungen hinfällig wäre.

Assoziierungsstatus vor Antragsbeginn prüfen

Der Umfang der Schweizer Beteiligung an einzelnen Horizon-Europe-Programmen ist abhängig vom Stand der bilateralen Abkommen. Kontaktieren Sie Euresearch (euresearch.ch) vor dem Start der Antragsvorbereitung, um sicherzustellen, dass das gewünschte EIC-Programm für Schweizer Startups offen ist.

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Wer passt zu welchem Programm?

Innosuisse ist die richtige Wahl, wenn:

  • Das Startup einen laufenden F&E-Bedarf hat, der einen Schweizer Hochschulpartner erfordert
  • Das Produkt noch in Entwicklung ist und wissenschaftliche Fragen beantwortet werden müssen
  • Eine schnellere Bewerbung und höhere Erfolgsquote Priorität haben
  • Das Startup primär auf den Schweizer oder europäischen Nahmarkt ausgerichtet ist
  • Die Teamgrösse und Ressourcen für einen aufwändigen EIC-Antrag noch fehlen

EIC Accelerator ist die richtige Wahl, wenn:

  • Das Startup ein marktreifes oder marktnahes Produkt hat (TRL 5 bis 8)
  • Eine klare europäische oder globale Skalierungsperspektive besteht
  • Grosse Finanzierungsvolumina benötigt werden, die Innosuisse nicht liefert
  • Das Startup keine Hochschulherkunft hat (Innosuisse-Innovationsprojekte wären nicht zugänglich)
  • Eine nicht dilutive Alternative zu VC-Kapital für die Wachstumsphase gesucht wird

Innosuisse als Vorbereitung auf den EIC

Ein etabliertes Muster bei Schweizer Deep-Tech-Startups ist die sequenzielle Nutzung beider Programme: Innosuisse finanziert die Forschungsphase, der EIC Accelerator die Markteinführungsphase.

PhaseInstrumentInhalt
0 bis 24 MonateInnosuisse InnovationsprojektF&E mit Hochschulpartner, Technologieentwicklung
12 bis 36 MonateInnosuisse Start-up CoachingMarktpositionierung, Businessplan, Investorenansprache
24 bis 48 MonateEIC AcceleratorProduktentwicklung bis Marktreife, internationale Expansion

Diese Sequenz hat mehrere Vorteile: Das Startup kommt mit einer nachgewiesenen F&E-Leistung und bereits ausgearbeitetem Technologie-Narrativ in den EIC-Prozess. Innosuisse-Erfahrung signalisiert dem EIC-Gutachter, dass das Projekt wissenschaftlich solide ist. Die Antragsvorbereitung fällt leichter, weil die technische und kommerzielle Dokumentation bereits vorliegt.

Die Rolle von Euresearch

Wer den EIC Accelerator anstrebt, sollte Euresearch frühzeitig einbinden. Euresearch ist die nationale Kontaktstelle der Schweiz für Horizon Europe und bietet kostenlose Dienstleistungen:

  • Prüfung des EIC-Antrags (Step 1 und Step 2) vor der Einreichung
  • Strukturiertes Feedback zu Technologie-Narrativ, Marktkapitel und Finanzplan
  • Partnervermittlung für EU-Konsortialprojekte
  • Information über aktuellen Schweizer Assoziierungsstatus
  • Regionale Büros in Bern, Zürich, Lausanne, Basel und Lugano

Für Innosuisse-Anträge bietet Innosuisse selbst optionale Vorab-Checks an. Projekte mit Vorab-Check haben eine signifikant höhere Erfolgsquote; dieser Schritt sollte nicht übersprungen werden.

Kombinierbarkeit: Beide Programme parallel möglich

Innosuisse und EIC Accelerator können für unterschiedliche Arbeitspakete gleichzeitig laufen. Die Bedingung: dieselben Kosten dürfen nicht aus beiden Quellen finanziert werden (keine Doppelfinanzierung). Beide Programme verlangen eine transparente Erklärung zu gleichzeitig beantragten oder erhaltenen Drittmitteln. Wer beide Programme parallel betreibt, sollte die Kostenabgrenzung klar dokumentieren und bei der jeweiligen Agentur offenlegen.

Keine Doppelfinanzierung derselben Kosten

Innosuisse und EIC Accelerator können parallel laufen, aber dieselben Kostenarten dürfen nicht aus beiden Quellen gedeckt werden. Dokumentieren Sie die Kostenabgrenzung klar und legen Sie alle gleichzeitig beantragten Drittmittel bei beiden Agenturen offen. Verstösse gegen das Doppelfinanzierungsverbot können zur Rückforderung führen.

Innosuisse

Bundesförderung für F&E-Kooperationen zwischen Schweizer Unternehmen und Hochschulen: Innovationsscheck (CHF 15'000), Innovationsprojekte (bis CHF 2 Mio.+) und kostenloses Start-up Coaching

Nicht rückzahlbar, keine Anteile

Innosuisse-Portal öffnen

EIC Accelerator (EU Horizon)

Europäische Spitzenförderung für marktreife Deep-Tech-Startups: bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss und optional bis EUR 15 Mio. Eigenkapital; keine Hochschulbindung erforderlich

Nicht rückzahlbar (Zuschuss); dilutiv (optionaler Eigenkapitalteil)

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Haeufige Fragen

Kann ich Innosuisse-Förderung und EIC Accelerator kombinieren?
Grundsätzlich ja, sofern keine inhaltliche Doppelfinanzierung derselben Kosten entsteht. EIC Accelerator und Innosuisse können für unterschiedliche Projektphasen oder Arbeitspakete parallel laufen. Beide Förderagenturen verlangen eine Erklärung zu gleichzeitig beantragten oder erhaltenen Drittmitteln; diese Transparenz ist zwingend.
Ich habe keinen Hochschulpartner. Kommt Innosuisse für mich trotzdem in Frage?
Ja, teilweise. Der Innovationsscheck (CHF 15'000) erfordert nur einen einzelnen Leistungsauftrag an eine Hochschule, kein dauerhaftes Kooperationsformat. Das kostenlose Start-up Coaching erfordert keinen Hochschulpartner, richtet sich aber an Hightech-Startups. Wer keinen Hochschulpartner hat und diesen Weg nicht verfolgen will, sollte direkt Richtung EIC Accelerator planen.
Verliert ein Startup beim EIC Accelerator Anteile?
Nur beim optionalen Eigenkapitalteil. Der Zuschuss (bis EUR 2,5 Mio.) ist vollständig nicht dilutiv. Wer den optionalen Eigenkapitalteil (bis EUR 15 Mio.) in Anspruch nimmt, gibt dem EIC-Fonds einen Minderheitsanteil ab. Innosuisse nimmt in keiner Form Anteile.
Welches Programm hat die höheren Fördersummen?
Der EIC Accelerator hat mit bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss plus optional EUR 15 Mio. Eigenkapital deutlich höhere Summen als ein typisches Innosuisse-Innovationsprojekt. Grosse Innosuisse-Projekte können mehrere Millionen erreichen, aber die Kombination aus Zuschuss und Eigenkapital ist beim EIC unerreicht.
Was ist Euresearch und brauche ich das für einen EIC-Antrag?
Euresearch ist die nationale Kontaktstelle der Schweiz für Horizon Europe. Die Beratung ist kostenlos und umfasst Antragsprüfung, Feedback und Partnervermittlung. Ein EIC-Antrag ohne Euresearch-Beratung ist möglich, aber riskanter: Die kostenlose Prüfung verbessert Anträge erheblich und erhöht die Chancen. Euresearch hat Büros in Bern, Zürich, Lausanne, Basel und Lugano.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.