Frankly vs. Liberty Vorsorge: Säule 3a gegen BVG-Sammelstiftung im Vergleich (2026)

10. Mai 20268 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Frankly (ZKB) ist ein Säule-3a-Produkt: freiwillige, steuerbegünstigte private Altersvorsorge, zugänglich für jeden Erwerbstätigen in der Schweiz.
  • Liberty Vorsorge ist eine BVG-Sammelstiftung für die berufliche Vorsorge (Säule 2): Pflichtanschluss für Arbeitgeber mit angestellten Mitarbeitenden über dem Einkommensschwellenwert.
  • Selbständige ohne Mitarbeitende brauchen Liberty Vorsorge in der Regel nicht; Frankly (oder ein anderer 3a-Anbieter) ist ihre primäre Vorsorgelösung für die private Alterssicherung.
  • Unternehmen mit Mitarbeitenden müssen BVG erfüllen (Liberty Vorsorge oder eine andere Sammelstiftung) und können zusätzlich selbst in die Säule 3a (Frankly) einzahlen.
  • Für Gründer gilt: BVG-Pflicht für das Unternehmen, 3a-Freiheit für die eigene Person. Beides ist kein Entweder-oder, sondern ein Und.

Frankly und Liberty Vorsorge sind keine direkten Konkurrenten: Sie bedienen verschiedene Säulen des Schweizer Drei-Säulen-Vorsorgesystems. Frankly ist ein Säule-3a-Anlageprodukt für die freiwillige private Altersvorsorge. Liberty Vorsorge ist eine BVG-Sammelstiftung für die obligatorische berufliche Vorsorge der Säule 2. Diese Gegenüberstellung klärt, was Gründer und Selbständige in welcher Situation brauchen.

Kurze Antwort

Selbständige ohne Mitarbeitende brauchen keine BVG-Sammelstiftung wie Liberty Vorsorge; Frankly ist die passende Lösung für ihre private Altersvorsorge (Säule 3a). Sobald ein Unternehmen Mitarbeitende mit einem Jahreslohn über dem BVG-Einkommensschwellenwert anstellt, wird ein BVG-Anschluss (Liberty Vorsorge oder eine andere Sammelstiftung) Pflicht. Beides schliesst sich nicht aus: Arbeitgeber führen Liberty für die Mitarbeitenden und Frankly für sich selbst.

Das Schweizer Drei-Säulen-System: Grundlage für den Vergleich

Das Schweizer Vorsorgesystem basiert auf drei Säulen, die einander ergänzen:

SäuleBezeichnungObligatorisch?Anbieter (Beispiele)
1. SäuleAHV/IV: staatliche GrundrenteJa, für alle ErwerbstätigenAusgleichskassen
2. SäuleBVG: berufliche VorsorgeJa, für Arbeitnehmer über SchwellenwertSammelstiftungen (Liberty, AXA, Swiss Life BVG)
3. SäuleSäule 3a / 3b: private VorsorgeNein; steuerbegünstigte FreiwilloptionFrankly, VIAC, finpension, Baloise 3a

Frankly operiert in der Säule 3a. Liberty Vorsorge operiert in der Säule 2 (BVG). Beide lösen reale Vorsorgebedürfnisse, aber für verschiedene Personengruppen und in verschiedenen Kontexten.

Frankly: Digitale Säule-3a-Lösung der ZKB

Was Frankly bietet

Frankly ist die digitale Säule-3a-App der Zürcher Kantonalbank, lanciert 2019. Das Produkt ermöglicht steuerlich abzugsfähiges Sparen in der dritten Säule: Der eingezahlte Betrag wird jährlich vom steuerbaren Einkommen abgezogen, und die Vorsorgegelder wachsen steuerfrei bis zum Bezug. Investiert wird in Swisscanto-Indexfonds mit wählbarer Aktienquote bis 95%. Die All-in-Gebühren liegen bei ca. 0.43 bis 0.48% pro Jahr.

Für wen Frankly relevant ist

Frankly ist für alle Personen zugänglich, die in der Schweiz einem AHV-pflichtigen Erwerb nachgehen. Dazu gehören:

Angestellte mit Pensionskasse: Können jährlich bis zu CHF 7'258 (2025) in die Säule 3a einzahlen und vom Steuerabzug profitieren. Frankly ist für diese Gruppe das günstigste digitale Anlageprodukt mit starker ESG-Option.

Selbständigerwerbende ohne Pensionskasse: Können bis zu 20% des Nettoerwerbseinkommens einzahlen, maximal CHF 36'288 pro Jahr (2025). Das ist ein ausserordentlich hoher möglicher Steuerabzug und macht die Säule 3a für Selbständige zum wichtigsten Vorsorgewerkzeug neben der AHV.

Gründer und Unternehmer: Auch wenn das Unternehmen BVG-pflichtig ist und eine Sammelstiftung wie Liberty Vorsorge nutzt, können die Inhaber als Angestellte ihres eigenen Unternehmens zusätzlich in die Säule 3a einzahlen.

Steuerliche Wirkung der Säule 3a

Die steuerliche Wirkung der Säule 3a ist erheblich:

Ein Selbständiger mit einem Nettoeinkommen von CHF 120'000 kann CHF 24'000 jährlich in die Säule 3a einzahlen. Je nach Kanton und persönlichem Steuersatz entspricht das einem Steuersparpotenzial von CHF 6'000 bis 10'000 pro Jahr. Über 20 Jahre akkumuliert sich dieser Effekt zu einem substanziellen Vermögensvorteil, der durch die Anlageredite der Swisscanto-Fonds weiter verstärkt wird.

Frankly ermöglicht zudem das Führen mehrerer 3a-Konten. Da jeder Bezug separat versteuert wird, reduziert die Staffelung der Auszahlungen über mehrere Jahre die progressive Einkommenssteuerbelastung. Das ist eine bewährte Strategie für langfristig denkende Vorsorgeanleger.

Liberty Vorsorge: BVG-Sammelstiftung für Arbeitgeber

Was Liberty Vorsorge bietet

Liberty Vorsorge AG ist eine BVG-Sammelstiftung. KMU und Startups mit angestellten Mitarbeitenden können sich anschliessen, ohne eine eigene Pensionskasse aufzubauen. Liberty übernimmt die gesamte Verwaltung: Altersgutschriften nach Altersklassen, Risikoversicherung (Tod, Invalidität), Freizügigkeitsleistungen bei Stellenwechsel und das digitale Portal für Mutationsmeldungen.

Wann die BVG-Pflicht greift

Die BVG-Anschlusspflicht gilt für jeden Mitarbeitenden, dessen Jahreslohn über dem Einkommensschwellenwert liegt (2025: CHF 22'680 für die Versicherungspflicht; der BVG-Koordinationsabzug beträgt CHF 26'460). Ab dem 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahrs sind Risikoprämien fällig; ab dem 1. Januar nach Vollendung des 24. Altersjahrs beginnen die Sparbeiträge.

Das Versäumnis des BVG-Anschlusses hat ernste Konsequenzen: Die Auffangeinrichtung BVG erfasst das Unternehmen automatisch und belastet rückwirkende Prämien mit Verzugszinsen. Die Auffangeinrichtung ist ausserdem teurer als kommerzielle Sammelstiftungen.

Liberty Vorsorge in der Praxis

Anschluss ab einem Mitarbeitenden: Startups können bereits mit dem ersten Anstellungsverhältnis angebunden werden. Das macht Liberty auch für frühe Wachstumsphasen tauglich.

Mehrere Anlagestrategien: Mitarbeitende können je nach Leistungsplan aus Strategien mit unterschiedlichen Aktienanteilen wählen. Das gibt Flexibilität für verschiedene Risikoprofile innerhalb des Unternehmens.

Überobligatorische Leistungen: Unternehmen, die als Arbeitgeber attraktiv sein wollen, können den Leistungsplan über das gesetzliche Minimum hinaus ausbauen. Bessere Umwandlungssätze, höhere versicherte Löhne und grössere Todesfallleistungen stärken das Employer Branding.

Digitales Portal: Ein- und Austritte, Lohnmutationen und Versicherungsausweise werden über das Portal abgewickelt. Für HR-Teams in KMU reduziert das den administrativen Aufwand spürbar.

Kosten von Liberty Vorsorge

BVG-Kosten sind individuell und hängen von Betriebsgrösse, Altersstruktur der Belegschaft, Branche und gewähltem Leistungsplan ab. Grob lassen sich folgende Komponenten unterscheiden:

KostenkomponenteBeschreibung
Altersgutschriften7–18% des koordinierten Lohns, je nach Altersklasse; mindestens 50% trägt der Arbeitgeber
RisikoprämienDeckung Tod und Invalidität; branchenabhängig
VerwaltungskostenCa. CHF 200–500 pro Unternehmen/Jahr plus CHF 80–200 pro Versichertem/Jahr
AnlagekostenanteilAls Prozentsatz des Altersguthabens

Für konkrete Zahlen ist eine individuelle Offerte nötig. Ein direkter Vergleich mit Frankly ist wegen der grundlegend verschiedenen Kostenstruktur nicht sinnvoll.

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Frankly vs. Liberty Vorsorge: Direkter Vergleich

KriteriumFranklyLiberty Vorsorge
VorsorgesäuleSäule 3a (private Vorsorge)Säule 2 (berufliche Vorsorge, BVG)
Obligatorisch?Nein; freiwilligJa, für Arbeitgeber mit BVG-pflichtigen MA
ZielgruppeAlle AHV-pflichtigen ErwerbstätigenUnternehmen mit Mitarbeitenden
SteuervorteilEinzahlung vollständig abzugsfähigArbeitgeberbeiträge sind Betriebskosten
InvestitionsfreiheitJa; Strategie per App wählbarBegrenzt; Anlage durch Stiftung
KostenCa. 0.43–0.48%/JahrIndividuell; deutlich komplexer
VersicherungsschutzNeinJa (obligatorisch: Tod, Invalidität)
Digitaler EinstiegVollständig per AppPortal; Anschlussvertrag erforderlich
MindesteinzahlungKeine (ab CHF 1 möglich)Gesetzlich festgelegte Mindestbeiträge

Wann brauche ich was: Szenarien für Gründer und KMU

Szenario 1: Einzelunternehmer, keine Mitarbeitenden Kein BVG-Anschluss nötig. Frankly ist die relevante Vorsorgelösung. Als Selbständiger ohne Pensionskasse kann bis zu CHF 36'288 jährlich einbezahlt werden. Der Steuerabzug ist der grösste legale Steuerhebel für Selbständige in der Schweiz. Liberty Vorsorge ist in diesem Stadium irrelevant.

Szenario 2: GmbH-Gründer, erste Mitarbeitende werden eingestellt Ab dem ersten BVG-pflichtigen Angestellten braucht das Unternehmen einen Sammelstiftungsanschluss. Liberty Vorsorge oder eine andere Sammelstiftung ist jetzt Pflicht. Der Gründer selbst erhält einen Lohn und kann als Arbeitnehmer seiner eigenen GmbH weiterhin in die Säule 3a (Frankly) einzahlen. Beides läuft parallel: BVG für die Belegschaft, 3a für die persönliche Zusatzvorsorge.

Szenario 3: Startup, 10 Mitarbeitende, Gründer bezieht Gehalt Das Unternehmen ist bei Liberty Vorsorge oder einer anderen Sammelstiftung angeschlossen. Der Gründer zahlt als Angestellter des eigenen Unternehmens maximal CHF 7'258 jährlich in die Säule 3a bei Frankly ein und profitiert vom Steuerabzug und den Swisscanto-Anlagerenditen. BVG und 3a sind zwei verschiedene Vorsorgewerkzeuge, die sich gegenseitig nicht ausschliessen.

Szenario 4: Selbständiger ohne Mitarbeitende, Übergang zur GmbH Mit der Gründung der GmbH und dem Bezug eines Gehalts aus der GmbH ändert sich die Vorsorgesituation: Die 3a-Einzahlungsgrenze sinkt von CHF 36'288 auf CHF 7'258 (wenn die GmbH einen BVG-Anschluss hat). Gleichzeitig hat das Unternehmen nun BVG-Pflichten, wenn Mitarbeitende eingestellt werden. Die Vorsorgestrategie sollte beim Strukturwechsel mit einem Treuhänder oder Finanzberater überprüft werden.

Kombinationsstrategie für Gründer

Das ideale Vorgehen für Schweizer Gründer:

  1. In der Frühphase (solo, selbständig): Frankly oder ein anderer 3a-Anbieter nutzen; bis zu CHF 36'288 jährlich einzahlen; mehrere Konten für Steuerstaffelung eröffnen.

  2. Beim ersten Anstellungsverhältnis: BVG-Sammelstiftung wählen (Liberty Vorsorge, AXA BVG, Swiss Life BVG oder andere) und Anschlussvertrag abschliessen; dies ist ab diesem Moment Pflicht.

  3. Als Arbeitnehmer der eigenen GmbH: Weiterhin CHF 7'258 jährlich in die Säule 3a (Frankly) einzahlen; der Steuerabzug gilt für das persönliche Einkommen.

  4. Mittelfristig: Vorsorgeberatung bei einem unabhängigen Finanzberater oder Treuhänder zur Optimierung von BVG-Leistungsplan und persönlicher Säule-3a-Strategie.

Fazit

Frankly und Liberty Vorsorge ergänzen sich, sie konkurrieren nicht. Frankly löst das persönliche Vorsorgesparen in der Säule 3a: steuerbegünstigt, günstig, digital und für jeden AHV-pflichtigen Erwerbstätigen zugänglich. Liberty Vorsorge löst die BVG-Pflicht des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitenden: gesetzlich vorgeschrieben, kostenaufwändiger, administrativ anspruchsvoller, aber für jedes Unternehmen mit Angestellten unausweichlich. Gründer brauchen beide: Liberty (oder eine andere Sammelstiftung) für das Team, Frankly für die eigene Altersvorsorge.

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Haeufige Fragen

Muss ich als Selbständiger zur Liberty Vorsorge oder reicht Frankly?
Als Selbständiger ohne Mitarbeitende besteht keine BVG-Pflicht für die Liberty Vorsorge oder eine andere Sammelstiftung. Frankly (Säule 3a) ist eine ideale Lösung, um steuerbegünstigt für die Pension zu sparen. Selbständige ohne BVG können bis zu 20% des Nettoerwerbseinkommens, maximal CHF 36'288 pro Jahr (2025), in die Säule 3a einzahlen. Das ist ein erheblicher Steuervorteil.
Was passiert, wenn ich Mitarbeitende anstelle, ohne BVG-Anschluss zu haben?
Arbeitgeber, die BVG-pflichtige Mitarbeitende beschäftigen und keinen Anschlussvertrag mit einer Sammelstiftung abgeschlossen haben, werden automatisch der Auffangeinrichtung BVG angeschlossen. Die Auffangeinrichtung ist teurer als kommerzielle Sammelstiftungen und verhängt Verzugszinsen auf rückständige Beiträge. Liberty Vorsorge oder eine andere Sammelstiftung sollte vor dem ersten Anstellungsverhältnis gewählt werden.
Wie viel zahle ich als Arbeitgeber in die BVG-Pensionskasse ein?
Arbeitgeber müssen mindestens 50% der Altersgutschriften tragen; die andere Hälfte zahlen die Mitarbeitenden selbst. Die Altersgutschriften betragen je nach Altersklasse 7 bis 18% des koordinierten Lohns. Dazu kommen Risikoprämien (Tod, Invalidität) und Verwaltungskosten. Ein konkreter Kostensatz hängt von Betriebsgrösse, Altersstruktur und Leistungsplan ab; Liberty Vorsorge erstellt eine individuelle Offerte.
Kann ich als Gründer sowohl Frankly als auch Liberty Vorsorge nutzen?
Ja. Als Arbeitgeber schliessen Sie Ihr Unternehmen bei Liberty Vorsorge an, um die BVG-Pflicht für Ihre Mitarbeitenden zu erfüllen. Für Ihre eigene private Altersvorsorge zahlen Sie zusätzlich in ein Frankly-3a-Konto ein, wenn Sie als Arbeitnehmer Ihres eigenen Unternehmens einen Lohn beziehen. Beides sind separate Systeme: das eine ist die betriebliche, das andere die private Vorsorge.
Gibt es eine Möglichkeit, als Selbständiger freiwillig BVG zu versichern?
Selbständigerwerbende können sich in einigen Fällen freiwillig einer Sammelstiftung anschliessen, wenn diese Freiwilligenmitglieder akzeptiert. Alternativ steht die Auffangeinrichtung BVG als freiwillige Lösung offen. Für die meisten Selbständigen ist die Säule 3a (Frankly, VIAC, finpension) jedoch die flexiblere und kostengünstigere Hauptvorsorgelösung.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.