Baloise 3a vs. Liberty Vorsorge: Säule 3a gegen BVG-Sammelstiftung für Gründer (2026)
Das Wichtigste in Kürze
- Baloise 3a ist ein Säule-3a-Produkt: freiwillige private Altersvorsorge mit integriertem Versicherungsschutz (Tod, Invalidität), persönlicher Beratung und Steuerabzug.
- Liberty Vorsorge ist eine BVG-Sammelstiftung (Säule 2): obligatorischer Pensionskassenanschluss für Arbeitgeber mit Mitarbeitenden über dem Einkommensschwellenwert.
- Selbständige ohne Mitarbeitende brauchen keine BVG-Sammelstiftung; Baloise 3a oder ein anderer 3a-Anbieter deckt die private Vorsorge ab.
- Unternehmen mit Mitarbeitenden müssen BVG erfüllen (Liberty Vorsorge oder eine andere Sammelstiftung) und können daneben für sich selbst in die Säule 3a einzahlen.
- Baloise 3a und Liberty Vorsorge konkurrieren nicht: sie bedienen verschiedene Vorsorgesäulen und sind für viele Gründer beide gleichzeitig relevant.
Baloise 3a und Liberty Vorsorge gehören zu verschiedenen Säulen des Schweizer Vorsorgesystems und bedienen grundlegend verschiedene Bedürfnisse. Baloise 3a ist ein freiwilliges Sparprodukt mit Versicherungscharakter für die private Altersvorsorge. Liberty Vorsorge ist eine Sammelstiftung für den gesetzlich vorgeschriebenen BVG-Anschluss von Mitarbeitenden. Für Gründer und Selbständige ist es wichtig zu verstehen, wann welches Produkt relevant ist und wie beide Lösungen zusammenspielen können.
Kurze Antwort
Baloise 3a und Liberty Vorsorge konkurrieren nicht. Baloise 3a ist für die persönliche private Altersvorsorge (Säule 3), die freiwillig und steuerbegünstigt ist. Liberty Vorsorge ist für die BVG-Pflicht des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitenden (Säule 2). Unternehmen mit Angestellten brauchen beides: Liberty Vorsorge für das Team, einen 3a-Anbieter für die eigene Person.
Das Schweizer Vorsorgesystem: Drei Säulen verstehen
| Säule | Name | Obligatorisch | Zielgruppe | Beispielanbieter |
|---|---|---|---|---|
| 1. Säule | AHV/IV | Ja, für alle Erwerbstätigen | Alle | Ausgleichskassen |
| 2. Säule | BVG (Pensionskasse) | Ja, für Arbeitnehmer über Schwellenwert | Arbeitgeber mit Mitarbeitenden | Liberty Vorsorge, AXA BVG |
| 3. Säule | Private Vorsorge (3a/3b) | Nein; freiwillig | Alle AHV-pflichtigen Erwerbstätigen | Baloise 3a, Frankly, VIAC |
Baloise 3a operiert in der Säule 3a. Liberty Vorsorge operiert in der Säule 2 (BVG). Das macht einen direkten Kostenvergleich oder eine "ist das eine besser als das andere"-Analyse schwierig: Es sind verschiedene Werkzeuge für verschiedene Aufgaben.
Baloise 3a: Versicherungsbasierte private Altersvorsorge
Was Baloise 3a ist und für wen es gilt
Baloise 3a ist ein Säule-3a-Produkt des Schweizer Versicherungskonzerns Baloise, gegründet 1863 und mit Sitz in Basel. Das Produkt ist zugänglich für alle Personen mit AHV-pflichtigem Erwerb in der Schweiz, also Angestellte, Selbständige und Unternehmer, die einen Lohn beziehen.
Der Kern von Baloise 3a: Der eingezahlte Betrag wird jährlich vollständig vom steuerbaren Einkommen abgezogen. Das spart je nach Kanton und Einkommen mehrere tausend Franken Steuern pro Jahr. Die Vorsorgegelder wachsen steuerfrei und werden bei der Auszahlung (Pensionierung, Wohneigentumserwerb, Selbständigkeit, Invalidität, Auswanderung) mit einem reduzierten Sondersatz besteuert.
Produktvarianten bei Baloise 3a
Klassische Sparversicherung: Garantierter Mindestzins auf den Sparanteil, Risikoanteil für Versicherungsschutz (Tod, Invalidität). Für sehr konservative Anleger mit Wunsch nach Planungssicherheit.
Baloise Invest 3a: Fondsgebundene 3a mit wählbarer Aktienquote. Der Sparanteil wird in Anlagefonds investiert; die Renditechance ist höher, das Marktrisiko trägt der Versicherungsnehmer. Der Versicherungsschutz bleibt integriert.
Versicherungsschutz im Baloise-3a-Produkt
Was Baloise 3a von rein digitalen Anbietern unterscheidet:
Todesfallschutz: Stirbt die versicherte Person vor dem Pensionsalter, erhalten die Begünstigten das vereinbarte Kapital oder eine Rente. Das schützt Familien und Angehörige, die finanziell auf die versicherte Person angewiesen sind.
Prämienbefreiung bei Invalidität: Bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall übernimmt Baloise die weiteren Prämieneinzahlungen. Das Alterskapital wird weiter angespart, ohne dass die betroffene Person aktiv einzahlen muss.
Erwerbsunfähigkeitsrente: Eine optionale Zusatzrente bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit. Besonders für Selbständige mit unzureichendem BVG-Invaliditätsschutz ist das ein relevantes Sicherheitsnetz.
Für Personen ohne Versicherungsbedarf ist zu beachten: Diese Schutzkomponenten erhöhen die Prämien. Wer keinen Absicherungsbedarf hat, fährt mit einem rein digitalen 3a-Anbieter wie Frankly, VIAC oder finpension kostengünstiger.
Einzahlungsgrenzen für verschiedene Personengruppen
| Personengruppe | Maximale Einzahlung 2025 |
|---|---|
| Angestellte mit Pensionskasse (BVG-Anschluss) | CHF 7'258 |
| Selbständige ohne Pensionskasse | Bis 20% des Nettoerwerbseinkommens, max. CHF 36'288 |
| Unternehmer mit Lohn aus eigener GmbH (mit BVG) | CHF 7'258 |
Der hohe Maximalbetrag für Selbständige ohne BVG macht die Säule 3a zum wichtigsten Steueroptimierungswerkzeug in dieser Gruppe.
Liberty Vorsorge: BVG-Anschluss für das Unternehmen
Was Liberty Vorsorge ist und für wen es gilt
Liberty Vorsorge AG ist eine BVG-Sammelstiftung. KMU und Startups schliessen sich ihr an, ohne eine eigene Pensionskasse gründen zu müssen. Liberty übernimmt die Verwaltung der Altersgutschriften, der Risikoprämien (Tod, Invalidität), der Freizügigkeitsleistungen und der Mutationsmeldungen über das digitale Portal.
Liberty Vorsorge ist nicht für die private Person des Unternehmers, sondern für die Mitarbeitenden des Unternehmens: Jeder Mitarbeitende, der über dem Einkommensschwellenwert verdient, muss durch den Arbeitgeber bei einer Pensionskasse versichert sein.
BVG-Pflicht: Wann sie greift und was passiert, wenn nicht
Die BVG-Versicherungspflicht für Risikoprämien (Tod, Invalidität) beginnt ab dem 1. Januar nach dem 17. Geburtstag des Mitarbeitenden. Die Sparbeitragspflicht (Alterskapital) beginnt ab dem 1. Januar nach dem 24. Geburtstag. Massgebend ist ein Jahreslohn über dem Eintrittsschwellenwert (2025: CHF 22'680).
Wer als Arbeitgeber keinen Anschluss abschliesst, wird automatisch der Auffangeinrichtung BVG angeschlossen. Die Auffangeinrichtung ist teurer als kommerzielle Sammelstiftungen und berechnet Verzugszinsen auf rückständige Beiträge. Eine frühzeitige Planung spart Kosten und rechtliche Probleme.
Was Liberty Vorsorge leistet
Altersvorsorge: Altersgutschriften nach gesetzlichem Minimum (7–18% des koordinierten Lohns je nach Altersklasse). Überobligatorische Optionen ermöglichen bessere Leistungen für attraktiveres Employer Branding.
Risikodeckung: Integrierte Versicherung für Todesfall und Invalidität. Im Unterschied zu Baloise 3a ist dieser Schutz im BVG nicht optional, sondern obligatorisch für alle Mitarbeitenden.
Freizügigkeitsleistungen: Beim Austritt eines Mitarbeitenden überträgt Liberty die Freizügigkeitsleistung automatisch auf die neue Pensionskasse oder ein Freizügigkeitskonto.
Digitales Portal: Ein- und Austritte, Lohnmutationen und Versicherungsausweise werden digital verwaltet. Das reduziert den administrativen Aufwand für HR-Teams spürbar.
Kosten von Liberty Vorsorge
| Kostenkomponente | Beschreibung |
|---|---|
| Altersgutschriften | 7–18% des koordinierten Lohns, Arbeitgeber min. 50% |
| Risikoprämien | Deckung Tod und Invalidität; branchenabhängig |
| Verwaltungskosten | Ca. CHF 200–500/Unternehmen/Jahr + CHF 80–200/Versicherten/Jahr |
| Anlagekostenanteil | Als Prozentsatz des Altersguthabens |
Konkrete Kosten sind ohne individuelle Offerte nicht darstellbar. Ein Vergleich mit mindestens zwei bis drei Sammelstiftungen ist empfehlenswert.
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Wann brauche ich welches Produkt?
| Situation | Baloise 3a | Liberty Vorsorge |
|---|---|---|
| Selbständig, keine Mitarbeitenden | Ja, empfohlen | Nicht erforderlich |
| Angestellter in Drittunternehmen | Ja, ergänzend | Durch Arbeitgeber geregelt |
| GmbH-Inhaber, keine Mitarbeitenden | Ja, wenn Lohn bezogen | Nein (nur für Arbeitnehmer) |
| GmbH-Inhaber, Mitarbeitende angestellt | Ja, persönlich | Ja, als Arbeitgeber Pflicht |
| Startup, Wachstumsphase | Persönlich: Baloise 3a | Für Mitarbeitende: Pflicht |
Praxisszenarien für Gründer
Szenario 1: Freelancer, Design-Agentur, Solo Keine Mitarbeitenden, steuerbares Jahreseinkommen CHF 80'000. Kein BVG-Anschluss nötig. Baloise 3a mit Versicherungsschutz (oder günstiger: Frankly/VIAC) ist die relevante Lösung: bis zu CHF 36'288 jährlich einzahlbar, vollständig steuerlich abzugsfähig. Liberty Vorsorge ist nicht relevant.
Szenario 2: Gründerin, GmbH, erste Mitarbeitende Sie bezieht aus ihrer GmbH einen Lohn von CHF 100'000. Die GmbH hat drei Angestellte. BVG-Anschluss für die Mitarbeitenden ist Pflicht: Liberty Vorsorge oder eine andere Sammelstiftung muss gewählt werden. Persönlich kann sie CHF 7'258 in die Säule 3a einzahlen, zum Beispiel bei Baloise 3a (mit Versicherungsschutz) oder digital bei Frankly (günstiger, ohne Versicherungsschutz). Beides läuft parallel.
Szenario 3: Startup-Gründer, 8 Mitarbeitende, Absicherungsbedarf Er hat Familie und eine Hypothek. Der BVG-Anschluss bei Liberty Vorsorge deckt die gesetzliche Mindestabsicherung für die Mitarbeitenden. Für sich selbst möchte er zusätzlich Versicherungsschutz (Todesfallschutz, Invaliditätsrente) in seiner persönlichen 3a. Baloise 3a mit integriertem Versicherungsschutz passt: ein Steuerabzug für Altersvorsorge und Risikoabsicherung in einem Vertrag.
Szenario 4: Inhaberin, 40 Mitarbeitende, langjährige BVG-Beziehung Das Unternehmen ist seit Jahren bei einer Sammelstiftung angeschlossen. Die Inhaberin hat selbst keinen Bedarf an weiterem Versicherungsschutz (BVG deckt Invalidität und Todesfall gut ab) und möchte eine möglichst kostengünstige 3a-Lösung für maximale Rendite. Hier ist ein digitaler Anbieter (Frankly, VIAC, finpension) die bessere Wahl als Baloise 3a; der Versicherungsschutz wäre eine unnötige Zusatzbelastung.
Häufige Fehler beim Vorsorgeaufbau vermeiden
Gründer und Selbständige machen in der Vorsorgeplanung häufig vermeidbare Fehler, die sich langfristig auswirken:
Fehler 1: BVG-Anschluss zu spät abschliessen. Viele Gründer realisieren erst nach der ersten Einstellung, dass ein BVG-Anschluss nötig ist. Die Auffangeinrichtung BVG erfasst das Unternehmen automatisch und berechnet Verzugszinsen auf rückständige Beiträge. Ein frühzeitig gewählter Anbieter wie Liberty Vorsorge ist günstiger und flexibler als die Auffanglösung.
Fehler 2: Als Selbständiger die 3a vernachlässigen. Selbständige ohne Pensionskasse können bis zu CHF 36'288 jährlich in die Säule 3a einzahlen. Wer diese Möglichkeit in den ersten Jahren ignoriert, verliert erhebliches Steuer- und Ertragspotenzial, das nicht nachgeholt werden kann.
Fehler 3: Versicherungsschutz und 3a-Anlage nicht trennen. Wer keinen echten Bedarf an Todesfallschutz oder Invaliditätsabsicherung hat, zahlt bei Baloise 3a Risikoprämien ohne entsprechenden Gegenwert. In diesem Fall sind digitale Anbieter wie Frankly oder VIAC die ökonomisch bessere Wahl für die reine Anlagekomponente.
Fehler 4: BVG-Umwandlungssatz nicht beim Anbietervergleich berücksichtigen. Der Umwandlungssatz bestimmt, wie viel Rente aus dem angesparten Kapital entsteht. Unterschiede zwischen Sammelstiftungen können über 20 bis 30 Jahre zu erheblichen Rentenunterschieden führen. Bei einem Liberty-Vorsorge-Wechsel sollte der kombinierte Umwandlungssatz verglichen werden.
Fazit
Baloise 3a und Liberty Vorsorge lösen verschiedene Probleme: Baloise 3a ist das Werkzeug für die persönliche Altersvorsorge in der Säule 3, mit dem optionalen Vorteil des integrierten Versicherungsschutzes. Liberty Vorsorge ist das Werkzeug für die gesetzliche BVG-Pflicht des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitenden in der Säule 2. Für die meisten Gründer sind beide gleichzeitig relevant: Liberty Vorsorge, sobald die erste Person eingestellt wird, und eine Säule-3a-Lösung (Baloise 3a oder digital) für die eigene Altersvorsorge. Wer keinen echten Versicherungsbedarf hat, sollte bei der 3a-Wahl allerdings die günstigeren digitalen Alternativen in Betracht ziehen.
Baloise 3a
Versicherungsbasierte Schweizer Säule 3a: Todesfall- und Invaliditätsschutz integriert, persönliche Beratung, für Gründer und Selbständige
Individuelles Angebot
Liberty Vorsorge
BVG-Sammelstiftung für Schweizer KMU und Startups: gesetzlicher Pensionskassenanschluss für Mitarbeitende ohne eigene Pensionskasse
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Haeufige Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen Baloise 3a und Liberty Vorsorge?
Brauche ich als Einzelunternehmer Liberty Vorsorge?
Wann muss ich als Gründer Liberty Vorsorge oder eine andere Sammelstiftung abschliessen?
Was kostet Liberty Vorsorge im Vergleich zu Baloise 3a?
Kann ich sowohl Baloise 3a als auch Liberty Vorsorge nutzen?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.