Kantone
Unternehmensgründung im Kanton Bern: Bundeshauptstadt, ICT und kantonale Förderung
Das Wichtigste in Kürze
- Der kombinierte Gewinnsteuersatz in der Stadt Bern liegt bei ca. 21.1% (Bund, Kanton, Gemeinde, ESTV 2024).
- Das Handelsregisteramt des Kantons Bern in Bern bearbeitet Anmeldungen typischerweise in 7 bis 14 Arbeitstagen.
- Bern Economic Development Agency (BEDA) bietet kostenlose Ansiedlungsberatung für Unternehmen aus dem In- und Ausland.
- Die Universität Bern und die Berner Fachhochschule (BFH) generieren jährlich Spin-offs, besonders in Life Sciences und ICT.
- Die Nachbarschaft zur Bundesverwaltung macht Bern attraktiv für GovTech- und Public-Sector-Startups.
Kanton Bern ist die Bundeshauptstadt der Schweiz und das zweitbevölkerungsreichste Kanton. Berns wirtschaftliche Stärke liegt in staatlichen und öffentlichen Institutionen, dem Gesundheitssektor, der ICT-Branche und einem wachsenden Startup-Ökosystem rund um die Universität Bern und die Berner Fachhochschule.
Dieser Guide beschreibt die praktischen Aspekte der Unternehmensgründung im Kanton Bern: Handelsregister, Steuersätze, Gründungskosten und Förderangebote.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel informiert allgemein über die Gründung im Kanton Bern. Er ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Konkrete Steuerfragen sollten mit einem Steuerberater oder dem kantonalen Steueramt Bern geklärt werden.
Handelsregister Bern: Zuständigkeit und Ablauf
Das Handelsregisteramt des Kantons Bern (HRAB) ist die zuständige Behörde für alle Gesellschaftsgründungen im Kanton. Bern ist ein grosser Kanton; das HRAB ist entsprechend dimensioniert und bearbeitet jährlich mehrere tausend Vorgänge.
Besonderheit: Staatliches Notariat
Im Kanton Bern gibt es ein staatliches Notariat. Notare sind kantonal angestellte Beamte und erheben nach einem kantonalen Tarif. Das macht die Notarkosten vorhersehbarer als in Kantonen mit freiem Notariatsmarkt (z.B. Zürich, Zug), kann aber zu einer geringeren Flexibilität bei der Terminvereinbarung führen.
Bearbeitungszeit: Vollständige Anmeldungen werden typischerweise in 7 bis 14 Arbeitstagen bearbeitet. Bei hoher Auslastung oder unvollständigen Unterlagen kann es bis zu 20 Arbeitstage dauern.
Einreichungskanäle: Post, EasyGov.swiss oder über den Notar direkt.
Gründungsgebühren im Kanton Bern
| Position | Betrag (CHF) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Handelsregistergebühr Bund | 600 | Bundeseinheitlich |
| Kantonale HR-Ergänzungsgebühr | 150–350 | Kantonal variabel |
| Notariatsgebühren | 400–1'000 | Kantonal tarifiert (staatl. Notariat) |
| Bankgebühr Sperrkonto | 0–100 | Varies je nach Bank |
| SHAB-Publikation | 60–150 | Nach Zeichenzahl |
| Gesamtkosten (ca.) | 1'210–2'200 | Im Schweizer Mittelfeld |
Das staatliche Notariat in Bern führt zu tariflich geregelten Gebühren. Für eine Standard-GmbH-Gründung sind CHF 400 bis CHF 700 an Notargebühren ein realistischer Rahmen; für komplexere Strukturen mit mehreren Gesellschaftern steigen die Kosten entsprechend.
Steuern für Unternehmen im Kanton Bern
Gewinnsteuer
Der Kanton Bern liegt im oberen Mittelfeld der Schweizer Gewinnsteuersätze. Das kombinierte Steuerniveau (Bund + Kanton + Gemeinde) in der Stadt Bern beträgt ca. 21.1% (ESTV 2024). Das ist ähnlich hoch wie in der Stadt Zürich.
Effektive Gewinnsteuersätze (kombiniert) 2024, ausgewählte Gemeinden:
| Gemeinde | Effektiver Satz (ca.) |
|---|---|
| Bern (Stadt) | 21.1% |
| Biel/Bienne | 20.9% |
| Thun | 20.0% |
| Köniz | 21.3% |
| Münsingen | 18.6% |
Quelle: ESTV, Steuerbelastung der Gemeinden 2024. Sätze gerundet.
In ländlicheren Gemeinden ausserhalb der Stadt Bern mit tieferen Steuervielfachen kann der kombinierte Satz auf 16 bis 18% sinken.
Kantonale Steueranreize
F&E-Superabzug: Kanton Bern gewährt seit 2020 den obligatorischen F&E-Superabzug (50% Zusatzabzug auf qualifizierende F&E-Kosten). Das ist besonders relevant für Startups aus dem Life-Sciences- und ICT-Bereich, die in eigene Forschung investieren.
Patentbox: Auch in Bern ist die Patentbox nach STAF verfügbar. Erträge aus Patenten und vergleichbaren Schutzrechten werden mit einem reduzierten Satz besteuert.
Steueranreiz für Investoren: Kanton Bern gehört zu den Kantonen, die Investoren in innovative Startups unter bestimmten Bedingungen einen Steuerrabatt auf das investierte Kapital gewähren (Investorenabzug). Die genauen Kriterien und der Abzugsrahmen sind beim Berner Steueramt erhältlich.
Standortwahl im Kanton Bern
Die Steuerdifferenz zwischen Stadt Bern und günstigeren Gemeinden im Kanton kann für profitabl laufende Unternehmen mehr als 3 Prozentpunkte betragen. Für grössere Gesellschaften lohnt sich eine steuerliche Standortanalyse innerhalb des Kantons.
Das Berner Startup-Ökosystem
Universität Bern und Berner Fachhochschule (BFH)
Die Universität Bern generiert jährlich Spin-offs, besonders in Life Sciences, Medizin, Pharmazie und Sozialwissenschaften. Das Unitectra-Technologietransfer-Büro unterstützt Hochschulangehörige bei der Kommerzialisierung ihrer Forschung.
Die Berner Fachhochschule (BFH) mit Campus in Bern, Biel und Burgdorf ist besonders stark in Engineering, ICT, Wirtschaft und Gesundheit. Die BFH betreibt Forschungs- und Dienstleistungsstellen, die als Ausgangspunkt für Innosuisse-Kooperationen und Spin-offs dienen.
Bern Economic Development Agency (BEDA)
BEDA ist die kantonale Wirtschaftsförderungsagentur. Sie bietet:
- Kostenlose Erstberatung für Unternehmen, die sich im Kanton Bern ansiedeln oder expandieren wollen
- Vermittlung von Kontakten zu Gemeinden, Behörden und Netzwerkpartnern
- Unterstützung bei der Suche nach Gewerbe- und Industrieflächen
- Informationen zu kantonalen Förderangeboten und Steuerfragen
BEDA ist auch Anlaufstelle für internationale Unternehmen, die eine Schweizer Niederlassung in Bern planen.
GovTech und Public-Sector-Startups
Berns grösster Standortvorteil für Startups mit staatlichem Fokus: Die gesamte Bundesverwaltung sitzt in Bern. Das schafft ein einzigartiges Umfeld für Startups, die Lösungen für öffentliche Verwaltungen, Behörden und staatliche Institutionen entwickeln.
Bundesbeschaffung über simap.ch: Alle Bundesbeschaffungen werden öffentlich ausgeschrieben. Startups können sich bewerben, müssen aber die jeweiligen Eignungskriterien erfüllen. Die Einstiegshürde ist für kleine Unternehmen häufig hoch (Referenzprojekte, Zertifizierungen), aber nicht unüberwindlich.
Digitale Verwaltung Schweiz (DVS): Das Koordinationsorgan für E-Government arbeitet mit innovativen Unternehmen zusammen, insbesondere für digitale Behördenleistungen.
BE INNO (Bernexpo-Campus)
BE INNO auf dem Bernexpo-Campus ist ein Innovations- und Startup-Hub mit Coworking-Flächen, Eventinfrastruktur und einem Netzwerk von Berner Unternehmen und Institutionen. Startups können dort Büroflächen zu flexiblen Konditionen mieten.
Tech-Startups und ICT
Bern hat eine bedeutende ICT-Szene, teils aus der Nachbarschaft zu Grossunternehmen wie Swisscom (Hauptsitz in Worblaufen/Bern), Publicis-Sapient und dem stark digitalisierten Bankensektor (BEKB, PostFinance).
Swisscom: Neben dem Hauptsitz betreibt Swisscom in Bern verschiedene Innovationsplattformen. Für Startups mit Telekommunikations- und IoT-Bezug kann eine Partnerschaft mit Swisscom ein Sprungbrett sein.
PostFinance: Mit Hauptsitz in Bern ist PostFinance eine relevante Partnerschaftsoption für Fintech-Startups im Zahlungsverkehr.
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Besonderheit: Zweisprachigkeit
Der Kanton Bern ist zweisprachig (Deutsch und Französisch). Der Berner Jura (französischsprachiger Teil) und das Berner Mittelland/Oberland (deutschsprachig) haben dieselbe kantonale Steuerverwaltung, aber die Kommunikation mit Behörden erfolgt in der jeweiligen Sprachregion in der Amtssprache.
Für Startups mit englischsprachigem Team: Behördenkommunikation auf Bundesebene und mit dem HRAZh ist in Deutsch oder Französisch erforderlich; Englisch ist nicht akzeptiert. Ein lokaler Anwalt oder Treuhänder übernimmt die Kommunikation auf Wunsch.
Wichtige Anlaufstellen im Kanton Bern
| Institution | Aufgabe | Kontakt |
|---|---|---|
| HRAB (Handelsregister Bern) | Eintragung, Änderungen | www.bern.ch/handelsregister |
| Kantonales Steueramt Bern | Veranlagung, Rulings | www.taxme.ch |
| BEDA (Wirtschaftsförderung) | Ansiedlung, Netzwerk | www.beda.ch |
| Unitectra (Technologietransfer Uni Bern) | Spin-offs, IP-Verwertung | www.unitectra.ch |
| BFH (Berner Fachhochschule) | Forschungspartner, Spin-offs | www.bfh.ch |
| SVA Bern | AHV/IV/EO-Anschluss | www.svbern.ch |
Praktische Checkliste für Gründer in Bern
Vor der Beurkundung:
- Firmennamen auf Zefix.ch geprüft
- Notartermin beim Bernischen Notariat vereinbart
- Stammkapital (min. CHF 20'000 für GmbH) auf Sperrkonto einbezahlt
- Sitzgemeinde unter steuerlichen Gesichtspunkten gewählt
Nach der Beurkundung:
- Unterlagen beim HRAB eingereicht (via Notar oder EasyGov)
- SHAB-Publikation abgewartet; HR-Auszug erhalten
- SVA Bern: AHV-Anschluss eingerichtet
- Kantonales Steueramt: Steuerregistrierung beantragt
- MWST-Anmeldung bei ESTV, sofern Umsatz über CHF 100'000 erwartet
BEDA (Bern Economic Development Agency)
Kantonale Wirtschaftsförderung Bern
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Haeufige Fragen
Wie lange dauert die GmbH-Anmeldung beim Handelsregister Bern?
Wo genau reiche ich die Gesellschaftsanmeldung ein?
Wie hoch ist die Gewinnsteuer in der Stadt Bern?
Bietet Bern besondere Förderangebote für ICT-Startups?
Wie unterscheidet sich das Notariat im Kanton Bern von anderen Kantonen?
Gibt es GovTech-spezifische Förderangebote in Bern?
Thomas Kaufmann
Spezialist für Unternehmensgründung
Thomas Kaufmann begleitet Gründer bei der Wahl der Rechtsform und dem Handelsregistereintrag. Zuvor war er als Notariatsgehilfe tätig.