Fördergelder für Gründerinnen: Schweizer Programme und Wettbewerbe für Frauen

8. Mai 20265 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Schweizer Bundesförderungen (Innosuisse, Venture Kick, kantonale Wirtschaftsförderungen) sind gender-neutral und vollständig für Gründerinnen zugänglich; spezifische Frauenprogramme kommen ergänzend hinzu.
  • Der SEF.WomenAward des Swiss Economic Forum ist der bekannteste Schweizer Preis speziell für Unternehmerinnen, mit Preisgeldern und direktem Zugang zum SEF-Wirtschaftsnetzwerk.
  • Die Cartier Women's Initiative vergibt USD 100'000 an Gründerinnen mit Innovationsprojekten in der EMEA-Kategorie und ist für Schweizer Gründerinnen international das relevanteste Einzelprogramm.
  • Der DigitalFemale Leader Award (ICTswitzerland) richtet sich an Frauen in der Digitalwirtschaft und prämiert unternehmerische Leistung mit Sichtbarkeit im Schweizer ICT-Sektor.
  • Netzwerkorganisationen wie Swiss Startup Women bieten Mentoring, Community und Investorinnenkontakte, aber keine direkte Projektfinanzierung.

Die Schweiz hat eine hohe Dichte an Förderinstrumenten für Startups. Für Gründerinnen ist die Situation zweischneidig: Es gibt kaum staatsfinanzierte Programme, die ausschliesslich für Frauen reserviert sind, aber alle grossen nationalen Programme sind explizit für Gründerinnen zugänglich. Spezifische Wettbewerbe und Netzwerke bauen auf dieser Basis auf.

Gender-neutrale Förderung ist der Schweizer Weg

Die meisten Schweizer Förderprogramme unterscheiden nicht nach Geschlecht. Innosuisse, Venture Kick, das Bürgschaftswesen und die kantonalen Wirtschaftsförderungen stehen Gründerinnen vollständig offen. Die spezifischen Frauen-Programme kommen ergänzend hinzu, ersetzen aber die Hauptinstrumente nicht.

SEF.WomenAward: Der bekannteste Schweizer Gründerinnen-Preis

Der SEF.WomenAward wird jährlich vom Swiss Economic Forum (SEF) in Thun vergeben. Das SEF ist eine der bedeutendsten Schweizer Wirtschaftskonferenzen mit rund 1'000 Teilnehmenden aus Unternehmertum, Verwaltung und Wissenschaft.

Was der Preis bietet:

  • Preisgelder in mehreren Kategorien (Unternehmerin des Jahres, Zukunftspreis u.a.)
  • Sichtbarkeit auf der SEF-Bühne vor Entscheidungsträgern aus der Schweizer Wirtschaft
  • Medienbegleitung durch Partnermedien des SEF
  • Netzwerkzugang zur SEF-Community

Bewerbungsvoraussetzungen: Inhaberinnen oder Mitinhaberinnen eines in der Schweiz domizilierten Unternehmens; das Unternehmen sollte seit mindestens einem Jahr operativ tätig sein. Die genauen Kriterien variieren nach Kategorie und werden jährlich auf der SEF-Website veröffentlicht.

Einordnung: Der SEF.WomenAward ist primär ein Sichtbarkeitsformat, kein operatives Förderprogramm. Wer in Zürich oder Genf bereits gut vernetzt ist, profitiert weniger vom Netzwerkzugang. Wer in der Deutschschweizer Wirtschaftsszene bisher wenig sichtbar war, kann mit diesem Award einen relevanten Sprung machen.

DigitalFemale Leader Award (ICTswitzerland)

Der DigitalFemale Leader Award wird von ICTswitzerland, dem nationalen Dachverband der Schweizer ICT-Branche, verliehen. Der Fokus liegt auf Frauen, die in der Digitalwirtschaft unternehmerisch oder in Führungspositionen tätig sind.

Ausrichtung: Der Award prämiert sowohl Gründerinnen als auch angestellte Führungspersönlichkeiten. Für Startup-Gründerinnen in der Technologiebranche ist er besonders relevant, wenn das Unternehmen einen ICT-Schwerpunkt hat.

Netzwerk: ICTswitzerland hat direkten Zugang zur Schweizer Digitalwirtschaft und zu Entscheidungsträgern in Technologieunternehmen, was für B2B-Startups wertvoll ist.

Cartier Women's Initiative: Der wichtigste internationale Preis

Die Cartier Women's Initiative ist ein internationaler Gründerinnen-Wettbewerb mit Sitz in Genf. Schweizer Gründerinnen können in der Kategorie "Europe, Middle East and Africa" (EMEA) antreten.

Förderbedingungen:

  • Preisgeld: USD 100'000 für die erstplatzierten Teams (Fellow Award); USD 30'000 für weitere ausgewählte Teilnehmerinnen
  • Coaching durch ein internationales Mentoringnetzwerk über 12 Monate
  • Zugang zur globalen Cartier Women's Initiative Alumni-Community
  • Plattform für Medienaufmerksamkeit auf internationaler Ebene

Bewerbungsvoraussetzungen: Privates Unternehmen mit einer Frau als Gründerin oder Co-Gründerin (mindestens 50% Eigentumsanteil oder leitende Funktion); das Unternehmen muss seit mindestens einem Jahr operativ tätig sein; kein Branchenzwang, aber Fokus auf soziale, ökologische oder kulturelle Wirkung.

Bewerbungsrhythmus: Jährlich; die Bewerbungsphase öffnet üblicherweise im Herbst.

Nationale Programme ohne Geschlechterbeschränkung

Alle grossen nationalen Förderprogramme sind gender-neutral. Für Gründerinnen besonders empfohlen:

ProgrammWarum für Gründerinnen relevant
Innosuisse Start-up CoachingStrukturierter Einstieg für alle Hightech-Startups, kein Netzwerkfilter
Venture KickStandardisierter Bewerbungsprozess mit klaren Kriterien, kein "warme Kontakte"-Prinzip
Kantonale WirtschaftsförderungenAnsprechpersonen oft offen für gezielte Erstberatung ohne Vorbedingungen
BürgschaftswesenBankfinanzierung über staatliche Bürgschaft, gender-neutral und wenig bekannt

Der Vorteil dieser Programme liegt im standardisierten Prozess: Venture Kick und Innosuisse bewerten nach definierten Kriterien (Innovationsgehalt, Marktpotenzial, Teamkompetenz), nicht nach persönlichen Netzwerken. Das kann für Gründerinnen, die erst im Aufbau ihrer Netzwerke sind, ein relativer Vorteil gegenüber informellen Finanzierungsrunden sein.

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Swiss Startup Women und andere Netzwerke

Swiss Startup Women ist eine Community-Organisation, die Gründerinnen und Startup-Mitarbeiterinnen in der Schweiz vernetzt. Das Angebot umfasst:

  • Monatliche Networking-Veranstaltungen in Zürich, Bern und Genf
  • Mentoring-Matching: erfahrene Gründerinnen und Führungsfrauen als Mentorinnen
  • Jobbörse und Startup-Vorstellungen in der Community
  • Online-Community und Newsletter

Swiss Startup Women ist kein Förderprogramm und vergibt keine Gelder. Der Wert liegt in der Community, im Wissenstransfer und im Zugang zu Mentorinnen.

Weitere relevante Netzwerke:

  • Women's Business Council Switzerland (WBC Switzerland)
  • Hochschul-spezifische Netzwerke: ETH Women Founders, EPFL Women in Science
  • Female Founders (hochschulübergreifend, Früh-Community)

Kantonale Initiativen

Einzelne Kantone haben ergänzende Initiativen für Gründerinnen:

Zürich: Die Wirtschaftsförderung Zürich arbeitet mit Swiss Startup Women zusammen und bietet gezielte Events für Gründerinnen. Keine separaten Fördertöpfe, aber proaktive Erstberatung.

Genf: Einzelne kantonale Programme haben explizite Diversity-Ziele; die Romandier Startup-Community hat generell eine offene Kultur gegenüber Gründerinnen.

Basel: BaselArea.swiss hat ein Modul mit Fokus auf Frauen in Innovation als Teil seines Startup-Programms.

Stiftungsfinanzierung als Alternative

Stiftungen können für Gründerinnen relevant sein, die gesellschaftlich ausgerichtete Projekte verfolgen:

  • Gebert-Rüf-Stiftung: Unterstützt Projekte mit gesellschaftlichem Mehrwert; keine Gender-Beschränkung, aber offener für unkonventionelle Bewerbungen als staatliche Programme
  • Engagement Migros: Fördert kulturelle und kreative Vorhaben; für Startups im Creative-Economy-Bereich relevant
  • Avina Stiftung: Sozialunternehmen mit Nachhaltigkeitsbezug; für Impact-Startups mit Gründerinnen sinnvoll

Wichtige Anlaufstellen

OrganisationFunktionKontakt
SEF.WomenAwardJährlicher Wettbewerb für Unternehmerinnensef.ch
Cartier Women's InitiativeInternationaler Preis, USD 100'000cartierwomensinitiative.com
Swiss Startup WomenCommunity, Netzwerk, Mentoringswissstartupmenwomen.ch
InnosuisseBundesförderung (gender-neutral)innosuisse.ch
Venture KickStartup-Wettbewerb (gender-neutral)venturekick.ch

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Haeufige Fragen

Gibt es in der Schweiz staatliche Fördergelder speziell für Gründerinnen?
Nein. Die Schweiz hat keine staatlichen Förderprogramme, die ausschliesslich für Gründerinnen reserviert sind. Alle Bundesförderungen (Innosuisse, SECO-Instrumente, Bürgschaftswesen) sind formal gender-neutral. Was es gibt, sind private Stiftungspreise und Wettbewerbe für Frauen (SEF.WomenAward, Cartier Women's Initiative) sowie vereinzelte kantonale Initiativen. Gründerinnen sind ausdrücklich eingeladen, alle Standardprogramme zu nutzen.
Welches Schweizer Programm ist speziell für Gründerinnen am relevantesten?
Der SEF.WomenAward des Swiss Economic Forum ist der bekannteste Schweizer Award speziell für Unternehmerinnen. Er wird jährlich in Thun vergeben und bietet neben Preisgeldern vor allem Sichtbarkeit bei Schweizer Wirtschaftsführern. International ist die Cartier Women's Initiative mit USD 100'000 Preisgeld das bedeutendste Programm für Schweizer Gründerinnen mit technologischen oder sozialen Innovationsprojekten.
Haben Gründerinnen bei gender-neutralen Programmen wie Venture Kick schlechtere Chancen?
Venture Kick und Innosuisse haben beide aktiv Massnahmen ergriffen, um Gründerinnen-Teams anzusprechen. Venture Kick veröffentlicht seinen Frauenanteil und arbeitet mit Hochschulen zusammen, um Teams mit Gründerinnen zu identifizieren. Innosuisse hat Gleichstellungsziele und bietet spezifische Kommunikationsformate für unterrepräsentierte Gruppen. Die formalen Chancen sind gleich; informelle Netzwerke können aber für Frauen schwieriger zu erschliessen sein.
Wie hoch ist das Preisgeld beim SEF.WomenAward?
Der SEF.WomenAward vergab zuletzt Gesamtpreisgelder im Bereich CHF 50'000 bis CHF 100'000, verteilt auf mehrere Kategorien und Preisträgerinnen. Die genauen Beträge variieren je nach Jahrgang und Sponsorenstruktur. Neben dem Preisgeld ist der Zugang zum SEF-Netzwerk (ca. 1'000 Schweizer Wirtschaftsführende) ein zentraler Mehrwert.
Gibt es Venture-Capital-Fonds, die speziell in Schweizer Gründerinnen-Teams investieren?
In der Schweiz gibt es vereinzelte VC-Initiativen mit Diversity-Fokus. Einige internationale Fonds mit Schweizer Aktivität haben explizite Diversity-Mandate. Swiss Startup Women und ähnliche Netzwerke sind darauf ausgerichtet, Gründerinnen-Teams mit Investoren zu vernetzen. Ein dezidierter 'Swiss women-only VC Fund' ist bislang nicht entstanden; der Weg führt meist über die regulären VC-Kanäle in Kombination mit den Netzwerken.
Thomas Kaufmann

Thomas Kaufmann

Spezialist für Unternehmensgründung

Thomas Kaufmann begleitet Gründer bei der Wahl der Rechtsform und dem Handelsregistereintrag. Zuvor war er als Notariatsgehilfe tätig.