Finanzierung
Innosuisse-Förderung für Schweizer Startups: Ablauf, Kriterien und Beträge
Das Wichtigste in Kürze
- Innosuisse finanziert den Forschungspartner direkt; das Unternehmen erbringt Eigenleistungen von mindestens 50% der Gesamtprojektkosten.
- Typische Fördersummen für den Forschungspartner liegen zwischen CHF 150'000 und CHF 500'000 pro Innovationsprojekt.
- Der Bewerbungsprozess dauert von der Einreichung bis zur Entscheidung in der Regel 3 bis 5 Monate.
- Startup Training ist ein 18-monatiges Förderprogramm für marktreife Startups aus Schweizer Hochschulen.
- Die Erfolgsquote bei Innovationsprojekten liegt gemäss Innosuisse-Jahresbericht 2023 bei rund 35 bis 40%.
Innosuisse (Schweizerische Agentur für Innovationsförderung) ist die wichtigste staatliche Förderinstitution für Unternehmen, die Forschung und Entwicklung mit einer Schweizer Hochschule kombinieren wollen. Die Förderung fliesst nicht direkt ans Unternehmen, sondern an den Forschungspartner; das Unternehmen erbringt Eigenleistungen und behält die Verwertungsrechte an den Ergebnissen.
Dieser Artikel erklärt, welche Programme Innosuisse anbietet, wie der Bewerbungsprozess abläuft und was Startups beachten sollten, um ihre Erfolgschancen zu maximieren.
Innosuisse ist kein Investor
Innosuisse vergibt Fördergelder, keine Darlehen und keine Beteiligungen. Das Unternehmen muss kein Kapital zurückzahlen und gibt keine Unternehmensanteile ab. Die Gegenleistung besteht in Eigenleistungen, Berichterstattung und einer kurzen Wirkungsmessung nach Projektabschluss.
Was Innosuisse fördert und was nicht
Innosuisse ist auf marktnahe Innovationsprojekte ausgerichtet, bei denen neue Erkenntnisse aus der Forschung in marktfähige Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren überführt werden. Das Kernmerkmal: Es muss ein echter Forschungsanteil vorliegen.
Förderfähig:
- Entwicklung neuer Technologien oder Produktkonzepte mit Hochschulpartner
- Anpassung bestehender Technologien an neue Märkte, sofern echte F&E-Fragen entstehen
- Softwareentwicklung mit wissenschaftlicher Grundlage (z.B. neue Algorithmen, KI-Methoden)
- Prozessinnovationen mit messbarem Forschungsanteil
Nicht förderfähig:
- Reine Markteinführungskosten (Marketing, Vertrieb)
- Standard-Softwareentwicklung ohne wissenschaftliche Komponente
- Unternehmensberatung oder allgemeines Coaching
- Doppelfinanzierung von Kosten, die über andere Programme bereits abgedeckt sind
Die Hauptprogramme von Innosuisse
Innovationsprojekte
Das Kernprogramm von Innosuisse. Ein Schweizer Unternehmen und ein akkreditierter Forschungspartner reichen gemeinsam ein Projekt ein. Innosuisse finanziert den Forschungspartner; das Unternehmen erbringt Eigenleistungen im Wert von mindestens 50% der Gesamtprojektkosten.
Ablauf:
- Vorab-Check: Kurze Prüfung durch Innosuisse, ob das Projekt grundsätzlich förderfähig ist (3 bis 4 Wochen). Nicht zwingend, aber empfehlenswert.
- Vollantrag: Detaillierter Projektantrag mit Arbeitspaketen, Meilensteinen, Kostenplänen und Marktpotenzialanalyse. Sprache: Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch.
- Begutachtung: Zwei externe, fachkundige Gutachter bewerten den Antrag unabhängig voneinander.
- Entscheidung: Innosuisse-Direktion entscheidet auf Basis der Gutachten; Rückmeldung typisch innerhalb von 3 bis 5 Monaten nach Vollantrag.
Die Erfolgsquote liegt gemäss Innosuisse-Jahresbericht 2023 bei rund 35 bis 40%. Projekte, die in der Begutachtung durchfallen, erhalten schriftliches Feedback und können nach Überarbeitung erneut eingereicht werden.
Finanzierung:
Die Höhe des Förderbeitrags hängt vom Personalbedarf des Forschungspartners ab. Innosuisse bezahlt die Vollkosten der Forschungsstunden (inkl. Overhead) des Hochschulpartners. Typische Gesamtfördersummen pro Projekt:
| Projekttyp | Förderdauer | Typische Fördersumme für Forschungspartner |
|---|---|---|
| Kleines Projekt | 12–18 Monate | CHF 100'000–200'000 |
| Standardprojekt | 18–36 Monate | CHF 200'000–400'000 |
| Grosses Projekt | 36–48 Monate | CHF 400'000–500'000+ |
Richtwerte; tatsächliche Beträge hängen von Personalaufwand und Hochschulkostensätzen ab.
Startup Training
Das Innosuisse Startup Training richtet sich an Startups, die aus Schweizer Hochschulen hervorgegangen sind oder eine enge Verbindung zu einer Hochschule haben. Es handelt sich um ein 18-monatiges Intensivprogramm mit Workshops, Coaching und Mentoring.
Ziel: unternehmerische Grundfähigkeiten für technologieorientierte Gründerteams aus der Forschung. Themen umfassen Businessplan, Finanzierung, Marketing, Recht und internationale Expansion.
Die Programmkosten werden von Innosuisse vollständig getragen. Teilnehmer müssen keine Gebühren zahlen und geben keine Anteile ab.
Bewerbung: zweimal jährlich. Die Aufnahmeentscheidung basiert auf einer Präsentation vor einem Auswahlgremium.
Innovation Coaching
Innosuisse bietet individuelles Coaching durch erfahrene Praktiker für Unternehmen, die eine Innovationsstrategie entwickeln oder konkrete Innovationsprojekte vorbereiten wollen. Der Coachingumfang beträgt bis zu 6 Tage pro Coaching-Auftrag, die Kosten werden von Innosuisse übernommen.
Innovation Coaching ist insbesondere sinnvoll für Unternehmen, die noch kein geeignetes Hochschulnetzwerk haben und einen Einstieg in die Innosuisse-Innovationsprojekte vorbereiten.
Eurostars und internationale Programme
Innosuisse koordiniert die Schweizer Beteiligung an internationalen Förderprogrammen:
- Eurostars: Für KMU-geführte, internationale F&E-Projekte mit Partnern aus mindestens zwei Eurostars-Mitgliedstaaten
- Eureka: Breiteres Netzwerk für internationale Industrie-F&E-Kooperationen
- Horizon Europe: Beteiligung der Schweiz ist aktuell auf bestimmte Teile beschränkt; Innosuisse informiert über den aktuellen Status
Der Forschungspartner: Wer kommt in Frage?
Das Herzstück eines Innosuisse-Innovationsprojekts ist die Partnerschaft zwischen Unternehmen und Forschungsinstitut. Folgende Institutionen gelten als akkreditierte Forschungspartner:
- ETH Zürich und EPFL Lausanne
- Alle Schweizer Universitäten (Bern, Basel, Zürich, St. Gallen, Luzern, Neuenburg, Freiburg, Genf, Lausanne)
- Alle Fachhochschulen (Hochschule für Wirtschaft, Technik und Informatik etc.)
- Forschungsinstitute: Empa, PSI (Paul Scherrer Institut), Eawag, WSL, Agroscope, Swisstopo
Wie findet man den richtigen Forschungspartner?
Der Ausgangspunkt ist meistens ein persönlicher Kontakt: ein Dozent, der frühere Betreuer einer Masterarbeit oder ein Professor, dem das Problem des Startups bekannt ist. Wer keine bestehenden Verbindungen hat, kann:
- Über Innosuisse's Matchmaking-Tool nach Forschern suchen
- Direkt den Technologietransfer-Büros (TTO) der Hochschulen schreiben
- Über Acceleratoren und Inkubatoren an Hochschulen Zugang suchen (ETH Entrepreneur Club, EPFL Innovation Park)
Den Forschungspartner früh einbinden
Ein häufiger Fehler: Unternehmen entwickeln die Projektidee allein und suchen erst danach nach einem Forschungspartner, der unterschreibt. Innosuisse-Gutachter erkennen dieses Muster. Projekte mit echter gemeinsamer Fragestellung zwischen Unternehmen und Forschungspartner schneiden signifikant besser ab.
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Eigenleistungen des Unternehmens
Das Unternehmen trägt mindestens 50% der Gesamtprojektkosten. Diese Eigenleistungen können bestehen aus:
- Personalkosten eigener Mitarbeiter: zu Marktlohn, inkl. Sozialabgaben, die direkt am Projekt arbeiten
- Materialkosten: Rohstoffe, Komponenten, Laborverbrauchsmaterial, die das Unternehmen beisteuert
- Infrastrukturnutzung: anteilige Abschreibung eigener Maschinen oder Räumlichkeiten, die im Projekt eingesetzt werden
- Barleistungen an den Forschungspartner: zulässig, aber auf 30% der Eigenleistungen beschränkt
Ein Beispiel: Bei einem Projekt mit Gesamtkosten von CHF 600'000 muss das Unternehmen mindestens CHF 300'000 an Eigenleistungen erbringen. Innosuisse finanziert den Forschungspartner mit dem Rest (CHF 300'000).
Wie ein guter Projektantrag aussieht
Innosuisse-Gutachter bewerten Projekte nach klar definierten Kriterien: wissenschaftliche Relevanz, wirtschaftliches Potenzial, Durchführbarkeit und gesellschaftliche Wirkung.
Was in einem überzeugenden Antrag nicht fehlen darf:
- Klar formulierte F&E-Fragen: Welche wissenschaftliche Frage wird beantwortet? Was ist der Stand des Wissens, und welche Lücke schliesst das Projekt?
- Marktanalyse: Wer kauft das Ergebnis? Wie gross ist der Markt? Welche Konkurrenz gibt es?
- Arbeitspaketplan: Wer macht was, bis wann, mit welchem Budget?
- Verwertungsplan: Wie wird das Unternehmen die Ergebnisse vermarkten? Welche IP-Schutzstrategie ist geplant?
- Risikobewertung: Welche technischen und kommerziellen Risiken bestehen, und wie werden sie adressiert?
Sprachliche Qualität und Klarheit zählen. Gutachter kommen häufig nicht aus demselben Spezialgebiet; übertriebener Fachjargon ohne Erklärung schwächt den Antrag.
Häufige Fehler bei Innosuisse-Bewerbungen
Kein echter Forschungsanteil: Das Projekt ist im Kern eine normale Produktentwicklung ohne wissenschaftliche Frage. Gutachter erkennen das und lehnen ab.
Forschungspartner nur auf dem Papier: Der Forschungspartner ist nicht wirklich inhaltlich beteiligt und unterschreibt nur. Innosuisse kann das in der Begutachtung erkennen, und ein späteres Audit des Projekts deckt es auf.
Marktpotenzial nicht konkret belegt: Vage Aussagen wie "der Markt ist sehr gross" ohne Zahlen und Quellen überzeugen nicht. Jede Marktgrösse sollte mit einer nachvollziehbaren Quelle belegt sein.
Budgetplan nicht stimmig: Wenn die Kosten des Forschungspartners und die Eigenleistungen des Unternehmens nicht plausibel zusammenpassen, lässt das den Antrag unsauber erscheinen.
Erste Einreichung ohne Vorab-Check: Der optionale Vorab-Check kostet kaum Zeit und liefert wertvolles Feedback. Projekte, die ohne diesen Check eingereicht werden, werden häufiger direkt abgelehnt.
Projektstart erst nach Vertragsunterzeichnung
Projektkosten, die vor der formalen Genehmigung und Vertragsunterzeichnung entstehen, können nicht rückwirkend angerechnet werden. Der offizielle Projektstart darf erst nach Abschluss des Fördervertrags erfolgen; frühere Kosten gelten als nicht förderfähig.
Zeitplan: Von der Idee bis zum Projektstart
| Schritt | Dauer (typisch) |
|---|---|
| Forschungspartner suchen und Idee gemeinsam schärfen | 4–12 Wochen |
| Optionaler Vorab-Check bei Innosuisse | 3–4 Wochen |
| Vollantrag erstellen (mit Forschungspartner) | 4–8 Wochen |
| Begutachtung durch Innosuisse | 8–14 Wochen |
| Vertragsunterzeichnung und Projektstart | 2–4 Wochen |
| Gesamtdauer bis Projektstart | ca. 5–9 Monate |
Innosuisse nimmt Vollanträge laufend entgegen (kein fixer Stichtag bei Innovationsprojekten). Startup Training und andere Programme haben feste Bewerbungsfristen.
Innosuisse in Kombination mit anderen Instrumenten
Innosuisse-Förderung schliesst andere Kapitalquellen nicht aus:
- Venture Kick: komplementär zu Innosuisse; Venture Kick finanziert das Unternehmen direkt, Innosuisse den Forschungspartner
- Kantonale Förderungen: können neben Innosuisse beantragt werden, sofern keine Doppelfinanzierung derselben Kosten entsteht
- Business Angels und VC: laufen unabhängig und beeinflussen die Innosuisse-Förderung nicht. Viele Startups kombinieren Innosuisse-Projekte mit Eigenkapitalfinanzierung
Innosuisse
Schweizerische Agentur für Innovationsförderung
Nicht rückzahlbare Fördergelder
Venture Kick
Dreistufiges Förderprogramm für Schweizer Hochschul-Startups
Bis CHF 130'000 pro Startup
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Haeufige Fragen
Muss ich als Unternehmen einen Schweizer Staatsbürger als Gründer haben, um Innosuisse-Förderung zu erhalten?
Welche Hochschulen gelten als akkreditierte Innosuisse-Forschungspartner?
Was zählt als Eigenleistung des Unternehmens in einem Innosuisse-Projekt?
Kann Innosuisse-Förderung mit anderen staatlichen Programmen kombiniert werden?
Was passiert mit den Ergebnissen und IP-Rechten aus einem Innosuisse-Projekt?
Wie gross muss das Unternehmen sein, um sich für Innosuisse zu bewerben?
Sarah Brunner
Steuer- und Sozialversicherungsrecht
Sarah Brunner schreibt zu MWST, AHV und der direkten Bundessteuer. Sie hat einen Abschluss in Steuerrecht und mehrere Jahre Beratungspraxis.